Zur Lektüre von Geschichten aus den "Sämtlichen Werken" von 1988, heute wieder greifbar in allen Mach-, Lach- und Meisterwerken unter dem Titel:
WAS BISHER GESCHAH
VOM RECHTEN ESSEN UND TRINKEN
Teil I
PRÄFATIO
Die Nahrungsaufhahme, die im wesentlichen aus Essen und Trinken und deren Mischformen (Schlürfen, Schlappern, Zuzeln, Knappern &cet.) besteht, spielt wie im Leben, so auch in der Literatur eine nicht unwichtige Rolle; ja, man kann sich mit Fug und Recht fragen: Wo wären wir, wenn wir nicht äßen und tränken? und: Was wäre die Literatur ohne die zahllosen Gastmähler, Bacchanale, Sauf- und Fressorgien oder auch nur die verschwiegenen Soupers in schummrigen Chambres séparées, die schlichten Banketts anlässlich von Staatsbesuchen, das frugale Mahl in dumpfer Kätnershütte?
Nun ist es aber so, dass sich das öffentliche Interesse, ob zu Recht oder Unrecht, das sei dahingestellt, mehr und mehr und fast ausschließlich den spektakulären Gegebenheiten und Prozessen unserer modernen Zivilisation zuwendet: Krieg und Frieden, Glasnost und Perestroika, Energieressourcen und Umweltzerstörung seien hier nur als Stichworte notiert,
Während auf der anderen Seite sich niemand auch nur einen Deut um die schein-bar unscheinbaren, nichtsdestoweniger aber überlebensnotwendigen Quisquilien schert, wozu wir auch Essen und Trinken rechnen wollen.
Dabei ist in den letzten Jahren in zunehmendem Maße zu beobachten, dass immer mehr gegessen und getrunken wird (es ist ein groß Schlucken allüberall!), und sich, je mehr gegessen und getrunken wird, eine zunehmende Verwilderung bei der Nahrungsaufnahme breitmacht, will sagen: Jeder isset und trinket so, wie es ihm grad in den Sinn kömmt.
Das hat mancherlei Gründe, gewiss. Da ist zunächsteinmal der allgemeine Sitten-verfall, eine Resultante aus dem Verlust von Religiosität, Anstand und Mitte, dann das Versagen des Marxismus-Leninismus in allen Bereichen der Gesellschaft und schließlich das Fehlen einer gesicherten wissenschaftlichen Grundlage.
Gut, Religion, Anstand und Sitte werden nicht mehr restituiert werden können, der Untergang des Marxismus-Leninismus scheint unaufhaltsam, doch können wir für das dritte sorgen: eine gründliche Analyse des Ess- und Trinkakts, auf der sich dann aufbauen lässt.
Denn es ist doch zweifellos so: Die Nahrungsaufnahme ist bisher ausschließlich unter den Gesichtspunkten Notwendigkeit und Lustbarkeit betrachtet worden. Das Ziel dieser Studie ist jedoch die Nahrungsaufnahme als solche, d. h., sie nimmt sie als prozessuales Ereignis und schert sich dabei nicht um die wunderlichen Spielarten, Verformungen und Auswölbungen historischer oder geografischer Natur. Sie widmet sich also der Nahrungsaufnahme an sich, oder anders: Sie analysiert den Vorgang der Nahrungsaufnahme in allen seinen Teilen und bildet so das Ganze ab, eine raffinierte Methode, die hoffentlich etwas bringt (Erkenntnis). raum vom vorhergehenden Malm- und Schluckvorgang (siehe da!) vorhandene (vergessene?)
Rechte und linke Hand zerteilen die aufgetragene Speise vermittels eigens dafür vorgesehener Hilfsgeräte in der Größe der Mundhöhle angemessene Einzelstücke.
Das Speisegut wird nun nach und nach zum eigens dafür geöffneten Mund (Unterkiefer klappt nach unten) geführt; es sollte dort eintreffen, wenn Ober- und Unterlippe ihren größtmöglichen Abstand voneinander gewonnen haben. Das Anheben des Speiseguts erfolgt als aufgeschaufeltes oder aufgespießtes, jedoch stets in gleichmäßiger und harmonischer Bewegung (Parabel!).
Eventuell herabfallende oder -gleitende Speiseteile bleiben unbeachtet, sofern sie auf den Teller zurückfinden; platschen sie jedoch auf Tischtuch oder Boden, werden sie unter Formeln des Bedauerns oder der Empörung (»Was ist die Scheiße aber auch glitschig!«) beiseite geschoben oder festgetreten. Unterläuft dieses Mißgeschick mehr als zehnmal während einer Speiseeinheit (Gang), wird der Vorgang abgebrochen und zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
Vor dem geöffneten Munde angekommen, wird das Speisestück (Brocken) mit einem entschlossenen, nie aber verkrampften Druck in denselben hineingepresst; erweist es sich wider Erwarten doch als zu groß, darf der Druck verstärkt werden. Ist dennoch eine Zufuhr nicht möglich, sollte zunächst noch der im Mund- bzw. Rachenraum vom vorhergehenden Malm- und Schluckvorgang (siehe da!) vorhandene (vergessene?) Speisekloß entfernt werden.
Einmal in den Mundraum eingegebene Speiseteile dürfen nur in Ausnahmefällen wieder entfernt werden (siehe unten!).
Das Einführen der Speiseteile ist als beendet anzusehen, wenn die Kiefer wieder zusammengeklappt und die Lippen vollständig geschlossen sind. Herausragendes wird mit dem Daumen der rechten Hand nachgestopft, eventuell ums Maul ver-schmierte Reste sind unverzüglich mit dem Rücken der eigenen linken Hand zu ent-fernen. Das oft den Speisefolgen mitgegebene Stoffläppchen dient ausschliesslich der Beseitigung von Schweissausbrüchen.
Das im Mund ruhende Speiseteil wird nach einer kurzen Erholungs- und Sammelphase vermittels der Zunge und geschickter Wangenbewegungen so unter die Zähne gebracht, dass ein erfolgreicher Zubiss möglich wird. Dabei ist den Backenzähnen Priorität einzuräumen.
Dann erfolgt der eigentliche Zubiss, u. zw. dergestalt, dass das Speiseteil mit dem ersten Aufeinandertreffen von Ober- und Unterkiefer vollständig zerstört wird.
Achtung! Das Ausspeien von Speisen zu diesem Zeitpunkt ist unter folgenden Maßgaben gestattet:
- Die Speise erweist sich als zu heiß.
- Die Speise ist definitiv ungenießbar (ranzig, tranig, faulig oder auf andere Weise verdorben).
- Die Speise stellt sich als einwandfrei zu hart heraus (Zahn als Beweisstück sichern!).
In keinem Falle aber sollte das Ausspeien zum blossen Düpieren des Gastgebers missbraucht werden!
Ist der erste Zubiss als gelungen anzusehen, kann man ihm weitere folgen lassen. Nur wenn das Hungergefühl übermächtig ist, kann zum sofortigen Schluck- oder Schlingvorgang (siehe dort!) übergegangen werden.
Einher mit dem Zubiss geht das durchs Unterbewusstsein (Popov!) gesteuerte und von außen nicht beeinflussbare Einspeicheln der Speise, die ihr die nötige Motilität verleiht und sie dem Zahn gefügig macht. Der Speichel ist der Samenflüssigkeit nicht unähnlich, weshalb vor jedem Essen eine kleine Probe gezogen werden sollte.
Im weiteren Procedere ist die Technik des Malmens zu empfehlen, d. h. des Zerreibens des Speiseguts bis zur Unkenntlichkeit. Hierbei sollte man sich von Zeit zu Zeit durch Augenschein und Tastsinn von der zum Schlucken geeigneten Konsistenz der Speise überzeugen (evtl. den Nachbarn bzw. die Nachbarin fragen!).
Ist die eingeführte, eingespeichelte und zermalmte Speise zu einer homogenen Masse geworden, wird sie zwischen Zunge und Gaumen so lang gerollt, bis dass ein länglicher, in der Mitte leicht erhabener Kloß entsteht. Dieser kann dann dem Schluck- oder Schlingvorgang zugeführt werden.
Dieser Vorgang trennt - philosophisch gesehen - die Speise vom Esser endgültig; d. h., der Esser sieht sie nie, nie wieder. Das gibt ihm etwas Besonderes, weshalb man auf ihn allergrößte Sorgfalt verwenden sollte.
Um den Vorgang einzuleiten, schiebt man den Speisekloß, ohne zu zögern, in den äußersten hinteren Winkel des Rachenraums. Dann geht alles wie von selbst: Wie von unsichtbarer Hand wird der Kloß hinuntergezogen, man kann sich praktisch überhaupt nicht dagegen wehren!
Während dieses Vorgangs kann es gelegentlich zu Schweißausbrüchen und einem kurzen Hervorquellen der Augäpfel aus den Höhlen kommen. Das ist natürlich und kein Anlass zu Unruhe oder Besorgnis. Die Nahrungsaufnahme ist dennoch gewährleistet.
Bedenklicher schon sind hier und da auftretende Erstickungssymptome, die zumeist von einer Verfärbung der Gesichtsfarbe zunächst ins Rötliche, dann ins Bläuliche begleitet werden, zuweilen auch von dumpfen Lauten (uuh!, mmpf!) oder unkontrollierten Zappelbewegungen der Extremitäten. Hier gilt es, Ruhe zu bewahren und den Vorfall nicht unnötig hochzuspielen.
Dies geschieht in der Regel lautlos und unbemerkt; in seltenen Fällen wird der Vorgang mit einem dumpfen »plumps!« abgeschlossen.
Auf die Behandlung der Speise im Magensack hat der Verzehrer keinen oder nur geringen Einfluss. Es muss aber gesagt werden, dass darin die Hölle los ist!
Von Zeit zu Zeit sendet der Magensack deutlich vernehmbare Signale durch die Speiseröhre zurück in den Mund-Rachen-Raum. Sie stellen sich phonetisch als »bulk!« oder »brah!« (ugs. »rülps!«) dar und bedeuten verschiedenes:
- Wer hat denn dies Zeug zusammengekocht?
- Ich mag und mag keine Currywurst!
- Nun-ist-aber-langsam-genug!
Akustische Signale werden gegenüber den Mitessenden mit einem verhaltenen »Pardon!« heruntergespielt oder zwanglos ins Tischgespräch integriert (Beispiel: »Bra<h>twurst gibt's heut nicht?«).
Neben akustischen sind auch hin und wieder schärfere Signale beobachtet worden. So kann es vorkommen, dass der scharfe Magensaft und Angedautes (siehe unten!) durch die Gewalt der nachdrängenden Speise mit leisem Zischen in den Mund-Rachen-Raum hochgespült werden. Einziger Rat: Tapfer schlucken und ein Viertelliter Pilsbier hinterdreinschütten!
(Forts. folgt.)
Nun ist es aber so, dass sich das öffentliche Interesse, ob zu Recht oder Unrecht, das sei dahingestellt, mehr und mehr und fast ausschließlich den spektakulären Gegebenheiten und Prozessen unserer modernen Zivilisation zuwendet: Krieg und Frieden, Glasnost und Perestroika, Energieressourcen und Umweltzerstörung seien hier nur als Stichworte notiert,
Während auf der anderen Seite sich niemand auch nur einen Deut um die schein-bar unscheinbaren, nichtsdestoweniger aber überlebensnotwendigen Quisquilien schert, wozu wir auch Essen und Trinken rechnen wollen.
Dabei ist in den letzten Jahren in zunehmendem Maße zu beobachten, dass immer mehr gegessen und getrunken wird (es ist ein groß Schlucken allüberall!), und sich, je mehr gegessen und getrunken wird, eine zunehmende Verwilderung bei der Nahrungsaufnahme breitmacht, will sagen: Jeder isset und trinket so, wie es ihm grad in den Sinn kömmt.
Das hat mancherlei Gründe, gewiss. Da ist zunächsteinmal der allgemeine Sitten-verfall, eine Resultante aus dem Verlust von Religiosität, Anstand und Mitte, dann das Versagen des Marxismus-Leninismus in allen Bereichen der Gesellschaft und schließlich das Fehlen einer gesicherten wissenschaftlichen Grundlage.
Gut, Religion, Anstand und Sitte werden nicht mehr restituiert werden können, der Untergang des Marxismus-Leninismus scheint unaufhaltsam, doch können wir für das dritte sorgen: eine gründliche Analyse des Ess- und Trinkakts, auf der sich dann aufbauen lässt.
Denn es ist doch zweifellos so: Die Nahrungsaufnahme ist bisher ausschließlich unter den Gesichtspunkten Notwendigkeit und Lustbarkeit betrachtet worden. Das Ziel dieser Studie ist jedoch die Nahrungsaufnahme als solche, d. h., sie nimmt sie als prozessuales Ereignis und schert sich dabei nicht um die wunderlichen Spielarten, Verformungen und Auswölbungen historischer oder geografischer Natur. Sie widmet sich also der Nahrungsaufnahme an sich, oder anders: Sie analysiert den Vorgang der Nahrungsaufnahme in allen seinen Teilen und bildet so das Ganze ab, eine raffinierte Methode, die hoffentlich etwas bringt (Erkenntnis). raum vom vorhergehenden Malm- und Schluckvorgang (siehe da!) vorhandene (vergessene?)
CAPUT I - VOM ESSEN
Vom rechten Einführen der Speise in den Mund- und Rachenraum
Rechte und linke Hand zerteilen die aufgetragene Speise vermittels eigens dafür vorgesehener Hilfsgeräte in der Größe der Mundhöhle angemessene Einzelstücke.
Das Speisegut wird nun nach und nach zum eigens dafür geöffneten Mund (Unterkiefer klappt nach unten) geführt; es sollte dort eintreffen, wenn Ober- und Unterlippe ihren größtmöglichen Abstand voneinander gewonnen haben. Das Anheben des Speiseguts erfolgt als aufgeschaufeltes oder aufgespießtes, jedoch stets in gleichmäßiger und harmonischer Bewegung (Parabel!).
Eventuell herabfallende oder -gleitende Speiseteile bleiben unbeachtet, sofern sie auf den Teller zurückfinden; platschen sie jedoch auf Tischtuch oder Boden, werden sie unter Formeln des Bedauerns oder der Empörung (»Was ist die Scheiße aber auch glitschig!«) beiseite geschoben oder festgetreten. Unterläuft dieses Mißgeschick mehr als zehnmal während einer Speiseeinheit (Gang), wird der Vorgang abgebrochen und zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
Vor dem geöffneten Munde angekommen, wird das Speisestück (Brocken) mit einem entschlossenen, nie aber verkrampften Druck in denselben hineingepresst; erweist es sich wider Erwarten doch als zu groß, darf der Druck verstärkt werden. Ist dennoch eine Zufuhr nicht möglich, sollte zunächst noch der im Mund- bzw. Rachenraum vom vorhergehenden Malm- und Schluckvorgang (siehe da!) vorhandene (vergessene?) Speisekloß entfernt werden.
Einmal in den Mundraum eingegebene Speiseteile dürfen nur in Ausnahmefällen wieder entfernt werden (siehe unten!).
Das Einführen der Speiseteile ist als beendet anzusehen, wenn die Kiefer wieder zusammengeklappt und die Lippen vollständig geschlossen sind. Herausragendes wird mit dem Daumen der rechten Hand nachgestopft, eventuell ums Maul ver-schmierte Reste sind unverzüglich mit dem Rücken der eigenen linken Hand zu ent-fernen. Das oft den Speisefolgen mitgegebene Stoffläppchen dient ausschliesslich der Beseitigung von Schweissausbrüchen.
Vom rechten Einspeicheln und Malmen
Das im Mund ruhende Speiseteil wird nach einer kurzen Erholungs- und Sammelphase vermittels der Zunge und geschickter Wangenbewegungen so unter die Zähne gebracht, dass ein erfolgreicher Zubiss möglich wird. Dabei ist den Backenzähnen Priorität einzuräumen.
Dann erfolgt der eigentliche Zubiss, u. zw. dergestalt, dass das Speiseteil mit dem ersten Aufeinandertreffen von Ober- und Unterkiefer vollständig zerstört wird.
Achtung! Das Ausspeien von Speisen zu diesem Zeitpunkt ist unter folgenden Maßgaben gestattet:
- Die Speise erweist sich als zu heiß.
- Die Speise ist definitiv ungenießbar (ranzig, tranig, faulig oder auf andere Weise verdorben).
- Die Speise stellt sich als einwandfrei zu hart heraus (Zahn als Beweisstück sichern!).
In keinem Falle aber sollte das Ausspeien zum blossen Düpieren des Gastgebers missbraucht werden!
Ist der erste Zubiss als gelungen anzusehen, kann man ihm weitere folgen lassen. Nur wenn das Hungergefühl übermächtig ist, kann zum sofortigen Schluck- oder Schlingvorgang (siehe dort!) übergegangen werden.
Einher mit dem Zubiss geht das durchs Unterbewusstsein (Popov!) gesteuerte und von außen nicht beeinflussbare Einspeicheln der Speise, die ihr die nötige Motilität verleiht und sie dem Zahn gefügig macht. Der Speichel ist der Samenflüssigkeit nicht unähnlich, weshalb vor jedem Essen eine kleine Probe gezogen werden sollte.
Im weiteren Procedere ist die Technik des Malmens zu empfehlen, d. h. des Zerreibens des Speiseguts bis zur Unkenntlichkeit. Hierbei sollte man sich von Zeit zu Zeit durch Augenschein und Tastsinn von der zum Schlucken geeigneten Konsistenz der Speise überzeugen (evtl. den Nachbarn bzw. die Nachbarin fragen!).
Ist die eingeführte, eingespeichelte und zermalmte Speise zu einer homogenen Masse geworden, wird sie zwischen Zunge und Gaumen so lang gerollt, bis dass ein länglicher, in der Mitte leicht erhabener Kloß entsteht. Dieser kann dann dem Schluck- oder Schlingvorgang zugeführt werden.
Vom rechten Schlucken und Hineinwürgen
Dieser Vorgang trennt - philosophisch gesehen - die Speise vom Esser endgültig; d. h., der Esser sieht sie nie, nie wieder. Das gibt ihm etwas Besonderes, weshalb man auf ihn allergrößte Sorgfalt verwenden sollte.
Um den Vorgang einzuleiten, schiebt man den Speisekloß, ohne zu zögern, in den äußersten hinteren Winkel des Rachenraums. Dann geht alles wie von selbst: Wie von unsichtbarer Hand wird der Kloß hinuntergezogen, man kann sich praktisch überhaupt nicht dagegen wehren!
Während dieses Vorgangs kann es gelegentlich zu Schweißausbrüchen und einem kurzen Hervorquellen der Augäpfel aus den Höhlen kommen. Das ist natürlich und kein Anlass zu Unruhe oder Besorgnis. Die Nahrungsaufnahme ist dennoch gewährleistet.
Bedenklicher schon sind hier und da auftretende Erstickungssymptome, die zumeist von einer Verfärbung der Gesichtsfarbe zunächst ins Rötliche, dann ins Bläuliche begleitet werden, zuweilen auch von dumpfen Lauten (uuh!, mmpf!) oder unkontrollierten Zappelbewegungen der Extremitäten. Hier gilt es, Ruhe zu bewahren und den Vorfall nicht unnötig hochzuspielen.
Vom Eintreffen der Speise in dem Magensack
Dies geschieht in der Regel lautlos und unbemerkt; in seltenen Fällen wird der Vorgang mit einem dumpfen »plumps!« abgeschlossen.
Auf die Behandlung der Speise im Magensack hat der Verzehrer keinen oder nur geringen Einfluss. Es muss aber gesagt werden, dass darin die Hölle los ist!
Von Zeit zu Zeit sendet der Magensack deutlich vernehmbare Signale durch die Speiseröhre zurück in den Mund-Rachen-Raum. Sie stellen sich phonetisch als »bulk!« oder »brah!« (ugs. »rülps!«) dar und bedeuten verschiedenes:
- Wer hat denn dies Zeug zusammengekocht?
- Ich mag und mag keine Currywurst!
- Nun-ist-aber-langsam-genug!
Akustische Signale werden gegenüber den Mitessenden mit einem verhaltenen »Pardon!« heruntergespielt oder zwanglos ins Tischgespräch integriert (Beispiel: »Bra<h>twurst gibt's heut nicht?«).
Neben akustischen sind auch hin und wieder schärfere Signale beobachtet worden. So kann es vorkommen, dass der scharfe Magensaft und Angedautes (siehe unten!) durch die Gewalt der nachdrängenden Speise mit leisem Zischen in den Mund-Rachen-Raum hochgespült werden. Einziger Rat: Tapfer schlucken und ein Viertelliter Pilsbier hinterdreinschütten!
(Forts. folgt.)